AKK
Arbeitskreis Kultur und Kommunikation
Paulckeplatz 1 - 76131 Karlsruhe - Universität Karlsruhe

Die Geschichte des AKK

"Wir über uns"...

... bedeutet in erster Linie, die Entstehung, Struktur und Arbeit des "Arbeitkreis Kultur und Kommunikation" (AKK) darzustellen. Dieser Arbeitskreis des AStA und des UStA der Universität Karlsruhe, der seit 1977 besteht, versteht sich als kulturelle Institution für Studierende, um ihnen eine selbstdefinierte und selbstorganisierte Kulturarbeit zu ermöglichen. Mit diesem Anspruch hat der AKK im Laufe der Jahre ein immer umfangreicheres Programm entwickelt, um für möglichst viele Studierende etwas zu bieten.

Zur historischen Entwicklung unseres Arbeitskreises gehört auch immer die bauliche Entwicklung bzw. Anpassung seines Domizils, dem Studierendenzentrum "Altes Stadion" mitten in der Universität Karlruhe.


Die Geschichte des "Alten Stadions"

Wenn man sich etwas intensiver in die Geschichte des Alten Stadiongebäudes vertieft, so erfährt man einige interessante Begleitumstände, die zum Teil weit vor den eigentlichen Baubeginn Ende der zwanziger Jahre zurückreichen. So war der Bau eines Hochschulstadions schon am Anfang jener Dekade ein lang gehegter Wunsch vieler Angehöriger der Universität Fridericiana. Die Teilnahme der Studierenden an den Leibesübungen wuchs, ebenso die Zahl der Studierenden, doch es waren nur behelfsmäßige Umkleiden und zwei Duschen vorhanden. Da das badische Unterrichtsministerium an der Karlsruher Hochschule eine pflichtmäßige ärtzliche Untersuchung und Beratung für alle Studierenden einführte, waren hierfür Räumlichkeiten erforderlich. Für all diese Anforderungen sollten Räumlichkeiten im geplanten Tribünenbau am Sportplatz (der sogenannten "akademischen Sportanlage") am damals noch nördlichen Rand des Hochschulbereichs gefunden werden.

[Bild1: Lageplan der Universität mit dem geplanten Stadion]
Lageplan der Universität mit dem geplanten Stadion

Aus einem hochschulinternen Preisausschreiben war der Gebäudeentwurf von Prof. Dr. Alker (1885 - 1967) hervorgegangen. Unter seiner Bauleitung sollte der Stadionkomplex in zwei Bauabschnitten errichtet werden: Zuerst stand der Bau der Gymnastikhalle mit Umkleiden und sanitären Anlagen an, später sollte der Tribünenaufbau mit der Dachkonstruktion folgen.
Doch die finaziellen Mittel waren schwer zu beschaffen. Ein Problem, das auch in der heutigen Zeit bei geplanten Baumaßnahmen immer wieder auftaucht. Noch kurz vor dem eigentlich geplanten Baubeginn im Jahr 1925 gab es große Finanzierungsprobleme. Der damalige Leiter des Akademischen Ausschusses für Leibesübungen, Prof. Dr. W. Paulcke, rief daraufhin zu einer einmaligen Spendenaktion auf. Eine mehrseitige Werbebroschüre wurde am 26. 3. 1925 an potentielle Sponsoren, Honoratioren sowie Freunde und Gönner und an ehemalige Studierende der Fridericiana versandt. Mit Hilfe dieser sogenannten Jubiläumsspende sollte die Finanzierung des Hochschulstadions bis zum 100jährigen Hochschuljubiläum im Herbst 1925 gesichert sein. "Zum Wohle des akademischen Nachwuchses, zum Nutzen und Vorbild für das deutsche Vaterland", so warb die Broschüre. Es wurden sowohl Geld- als auch Sachspenden gesammelt, allein die Stadt Karlsruhe hat für den Ausbau der geplanten Anlage 50.000 Reichsmark bewilligt.
Sachspenden konnten nicht nur die Form von Einrichtungsgegenständen annehmen, auch Baumaterial war vonnöten. So wurden von Kies und Sand (der Bedarf wurde mit 3.800 cbm angegeben) über Zement (740 to), Rundeisen (200 to) bis hin zu Backsteinen (320.000 Stück), Granitstufen (320 lfdm) und Schalholz (11.300 qm) allerlei Materialbedarf für den Rohbau angemeldet.
Dennoch zogen sich die finanziellen Schwierigkeiten hin. Im November 1927 lehnte der Minister des Kultus und Unterrichts eine Anfrage des Senats ab, wonnach ein Darlehen zum Bau des Hochschulstadions aufgenommen werden sollte. Begründet wurde die Ablehnung mit einem bereits zugesagten Betrag über 60.000 Reichsmark aus dem Grenzfond. Die weiteren Baukosten sollten aus noch zu erwartenden Reichszuschüssen gedeckt werden. Im selben Schreiben wurde auch die geplante Einrichtung einer Schwimmanlage verwehrt. Es sei nicht angängig, so der Minister, bei der schlechten wirtschaftlichen Lage des Staates mit Stiftungsmitteln neue Anlagen zu schaffen und deren Unterhaltung dann dem Staat zu überlassen.
Das rief erneut Prof. Paulcke auf den Plan, die gesamte Dozentenschaft der Fridericiana aufzurufen, sich für die Gesunderhaltung der akademischen Jugend einzusetzen und nochmals in der freien Wirtschaft Spenden zu sammeln. Die Anlage sollte nicht um ihrer selbst Willen errichtet werden, sondern für die Studierendenschaft.

[Bild2: Das Alte Stadion, noch ohne Dach.]
Das Alte Stadion - noch ohne Dach

1930 war es dann endlich soweit. Der Bau des Hochschulstadiums näherte sich seiner Vollendung. Der "Kampfplatz" auf der Tribünenseite war schon benutzbar, die Laufbahn wurde im Jahr darauf fertiggestellt.
Das Einweihungsfest fand im September an zwei langen Tafeln in der Halle des Stadions statt. Mit einigen Reimversen wurden auch die Schöpfer des Gebädes im Rahmen eines Festaktes bedacht, vorrangig natürlich der verantwortliche Architekt Prof. Dr. Alker. Ein kleiner Auszug aus den Festreden:

"Doch Herr Professor der den Riß gemacht
Hat alles weislich ausgedacht
Und alles pünktlich ausgemessen
Damit auch bloß nichts wird vergessen.
Nach seinem Plan hat sich der Plan erhoben
Den Herrn Professor muß man loben.
Ich erlaube mir, ihm zu Ehren
Das erste Glas ganz auszuleeren.
Kamerad, schenk ein und laß das Glas mich fassen
Jetzt will ich ihn hochleben lassen."

Das Stadion mit dem umgebenden Gelände war eine schöne Anlage, rings umgeben von Wald, und dabei fest eingeschlossen von den übrigen Hochschulinstituten. Sie bildete damals ein "Musterbeispiel einer Pflegestätte des Körpers als integraler Bestandteil einer modernen Erziehzungsstätte", so ein offizieller Beschreibungstext.
Schon damals war man sich der einzigartigen Architektur dieses Bauwerks bewußt. Der Hauptbau selbst stellt eine sehr geschickte Verbindung dar, insofern das Dach der Turnhalle konstruktiv und architektonisch als Zuschauerraum nutzbar gemacht wurde. Die (zu dieser Zeit noch unüberdachte) Tribüne gab über 800 Zuschauern freie Sicht auf das Feld der "Kampfbahn". Im Mittelbau war die Turn- und Gymnastikhalle untergebracht, die wiederum innenarchitektonisch Nutzen zieht aus der Dachbogenform mit einspringenden Bindern, welche konstruktiv bedingt waren durch die geschilderte Nutzung des Daches als Zuschauertribüne. Dadurch hob sich die Halle wohltuend von der Zigarrenkistenform anderer Turnhallen ab. Schnell erkannte man, dass die Halle als Vortragsraum oder auch für gesellschaftliche Veranstaltung unbedenklich Verwendung finden kann.
In den Rämen, in denen sich heute der AKK befindet, also im Ostflügel des Stadions, wurden nach der Fertigstellung im 1. OG Zimmer für die ärtzliche Untersuchung und im EG Räme für die Verwaltung (Wirtschafts- und Geräteräme) und eine Bibliothek untergebracht. Im Westflügel befanden sich die Umkleiden und sanitären Einrichtungen sowie ein 5 m x 4 m großes Schwimmbad und ein Massageraum.

[Bild3: Die freitragende Dachkonstruktion, hier noch mit Pfählen gestütz.]
Die freitragende Dachkonstruktion, noch mit Pfählen abgestütz.

1934 wurde dann auch der Tribünenaufbau mit seiner zur damaligen Zeit einzigartigen freitragenden Dachkonstruktion fertiggestellt. Bei der Eröffnungsfeier saßen die Ehrengäste und alle am Bau Beteiligten auf den Sitzstufen der Tribüne, das Tribünendach war noch durch lange Holzpfähle symbolisch gestützt. Feierlich wurden nach einer Rede die Pfähle entfernt, was bei einigen Gästen doch Unbehagen und teilweise sogar Entsetzen hervorrief. Die Freude war umso größer, als sie feststellten, dass das Dach auch ohne die Pfähle hielt.
In seinem Buch "Deutschlands Kampfbahnen" beschreibt Dr. Max Ostrop den Tribünenkomplex folgendermaßen: "In gleichmäßigen Sitzstufenreihen steigt die Tribüne mit 1588 Sitzplätzen und mehreren Aufgangstreppen empor. Der Tribünenraum ist seitwärts schräg geschlossen, sodaß vom Sitzplatz aus jede Stelle des Kampfplatzes und der Laufbahn gut überblickt werden kann. Die ungedeckte Vortribüne umfaßt 10 Sitzreihen. Der Hohlraum unter derselben kann für Kegelbahn und Kleinkalibersport Verwendung finden. Der übrige gesamte Zuschauerraum ist von einem völlig freitragenden Kragdach überdeckt. Keine Stütze hindert das freie Folgen jeder Kampfhandlung auch nur für einen Augenblick."
Ostrop beschrieb das Gebäude 1928, als es noch im Bau war. So erklärt sich auch die Erwähnung der zehnreihigen Vortribüne. Diese wurde später nämlich mangels Geldmittel doch nicht realisiert. Erst 1994 / 95 - mit der "großen" Renovierung - wurde dieser Gedanke von Prof. Alker wieder aufgegriffen und durch Betonelemente nachgebildet.

Entsprechend seiner Nutzungsanforderung bezogen dann der Akademische Ausschuß für Leibesübungen und die Studierenden den neuen Gebäudekomplex. Schon kurze Zeit nach Baubeendigung wurden die Anlagen auch unentgeltlich von Karlsruher Schulen, diversen SS-Stürmen, der Gauleitung der F.A.D. und der Hitlerjugend genutzt.
In den 60er Jahren wurde es wieder lauter um das "Alte Stadion". Nach dem damaligen Bebauungsplan sollte das Gebäude abgerissen werden und an seiner Stelle ein Gebäude mit zentralen Einrichtungen der Universität errichtet werden. Auf den Abbruch hatte die Bauverwaltung (Oberfinanzdirektion und Universitätsbauamt) vehement hingewiesen, dem Universitätsbauamt lagen dann auch bald die Zustimmung der Stadt Karlsruhe und des Regierungspräsidiums zum damaligen Konzept vor, eine Erweiterung der Mensa und der Bibliothek sowie weitere zentrale Einrichtungen im geplanten Neubau unterzubringen.

In einem Schreiben vom 30. 1. 1974 wandte sich dann der Hauptkonservator des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg an das Universitätsbauamt: »Aus Bauarbeiten, die unmittelbar vor der ehemaligen Tribüne des Hochschulstadions vor kurzem in Angriff genommen worden sind, schließen wir, daß möglicherweise Pläne zu einer späteren Beseitigung der Tribünenanlage bestehen. Wir weißen auftragsgemäß darauf hin, daß das in den Jahren 1926 – 1934 von H. R. Alker errichtete Tribünengebäude als Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes Baden-Württemberg anzusehen ist. Einem geplantem Abbruch werden wir nicht zustimmen.« [1] Nach Darlegung der Bebauungsabsichten für die Universität und Darstellung der Problematik einer Sanierung hat das Landesdenkmalamt dann in einem Schreiben vom 26. 6. 1974 mit Bedauern festgestellt, einem Abbruch zustimmen zu müssen. In einem weiteren Schreiben vom 23. 2. 1977 an den Personalrat der Universität betonte das Landesdenkmalamt aber dann wieder nachdrücklich, wie sehr es an der Erhaltung des Alten Stadiongebäudes interessiert sei.

Im Jahr 1977 gründeten AStA-Mitglieder den neuen Arbeitskreis & Kommunikation (AKK), der sich überwiegend um die kulturellen und kommunikationsfördernden Belange der Studierenden kümmern sollte. Für diesen Arbeitskreis wurden Räumlichkeiten gesucht, und schon bald hatte man ein Auge auf das Alte Stadion geworfen.
Das Sportinstitut, welches zum damaligen Zeitpunkt noch seinen Hauptsitz im Alten Stadiongebäude hatte, zog erst im Februar 1979 in seinen frisch erstellten Institutsneubau um.
Die Chancen standen gut für die Mitglieder des AKK, im Alten Stadion eine neue Heimat zu finden. Nach Auffassung der Universität sollte die Entscheidung über den Erhalt des Stadions von dem Ergebnis entsprechender baulicher und statischer Untersuchungen abhängig gemacht werden. Da diese Untersuchungen einige Zeit in Anspruch nehmen würden, beantragte die Universität mit Schreiben vom 24. 8. 1978 beim Ministerium für Wissenschaft und Kunst die interimistische Nutzung des Stadiongebäudes. Der AStA, das Sportinstitut und auch die Fakultät für Architektur sollten sich die Räumlichkeiten für ihre Zwecke teilen. In seiner Sitzung vom 11. 7. 1979 beschloß dann der Verwaltungsrat der Universität die vorläufige Nutzung des Alten Stadiongebäudes. Sowohl das Ministerium als auch das Universitätsbauamt stimmten dieser Zwischenlösung zu. Verwehrt wurde lediglich die Nutzung des Gebäude-Westflüges aufgrund seiner unzureichenden baulichen Verhältnisse.

[Bild4: Altes Stadion - Nordseite]
Altes Stadion - Nordseite

Zu Beginn des Wintersemesters 1979 / 80 zogen dann die Mitarbeiter des AKK in ihr neues Domizil ein, nachdem es zuvor in Selbsthilfe hergerichtet worden war. Die Wanderschaft für diverse Kulturveranstaltungen hatte endlich ein Ende.
Im Herbst 1992 feierte der AKK, der sich mittlerweile "Arbeitskreis Kultur und Kommunikation" nennt, mit dreißig Mitarbeitern sein 15jähriges Jubiläum. Auch dank der beständigen räumlichen Präsenz ist der AKK zu dieser Zeit bei allen kommunalen Kulturschaffenden bekannt und gleichermaßen anerkannt. Der Anspruch auf dem Campus hinsichtlich der Notwendigkeit einer solchen Institution ist sowohl bei der Universität als auch bei den eigentlichen Nutznießern, den Studierenden, unumstritten.
Im Frühjahr 1993 beginnen nunmehr auch Renovierungsarbeiten der Gebäudefassade. Nach Konservierung der Fundamente wurden im Sommer 1993 Gerüste aufgestellt, um die Arbeiten an den Aussenwänden und dem freitragendem Tribünendach anzugehen. Während des Wintersemesters 1994 / 95 wurde dann letztendlich auch die alte Turnhalle grundlegend renoviert.
Sehr erfreulich ist, dass sowohl von Seiten der Universität als auch vom Universitätsbauamt die Wünsche der heutigen Nutzer - sprich dem AKK, dem Sportinstitut und der Fakultät für Architektur - während der Renovierung des Alten Stadiongebäudes wohlwollend und konstruktiv aufgenommen wurden.


Ein besonderer Dank bei der Recherche und Versorgung mit Bildmaterial geht an Herrn Dr. Klaus-Peter Hoepke vom Universitäts-Archiv (ehem.) und Herrn Dipl.-Ing. Thomas Sperling von der Fakultät für Architektur.